Kamerakram
Kamerakram

Beelitz-Heilstätten

Man kann schon von außen erahnen, wie imposant diese Bauwerke einmal gewesen sein müssen, denn selbst heute, in ihrem zum Teil sehr maroden Zustand, sind sie noch immer sehr beeindruckend. Zwischen hohen Baumwipfeln finden sich auf einem unfassbar großen Areal etliche verlassene Gebäude. Alle davon gehörten einst zu den Beelitz-Heilstätten.


Schon direkt beim Betreten des Geländes steigt mir der, für verlassene Orte typische, leicht modrige Geruch in die Nase. Von Zeit zu Zeit wird dieser Ort wieder mit Leben gefüllt, denn die alten Gebäude dienen hin und wieder als Drehort für Filme und Musikvideos und wurden dadurch immer mal wieder saniert, oder umgebaut.


Danach werden sie wieder vergessen und der Natur überlassen. Man kann im Whitney Houston Haus relativ gut erkennen, welche Räume des Gebäudes häufiger genutzt worden sind, denn dort ist der Boden nur mit etwas Staub bedeckt und sieht ansonsten noch sehr gut aus.


Die Beelitzer Heilstätten wurden 1902 auf einer 140 Hektar großen Waldfläche eröffnet und dienten der Behandlung von Tuberkulose, was zu dieser Zeit eine sehr häufig auftretende Krankheit war. Ingesamt gab es nach ein paar Jahren dann ingesamt 1.338 Betten und auch andere Krankheiten wurden behandelt. Zur Zeit des Krieges wurde die Heilstätte kurzerhand zu einem Lazarett, bis sie 1945 nach dem zweiten Weltkrieg dann von der Roten Armee übernommen wurde.


Ein paar der alten Gebäude wurden saniert und sind heute Teil einer Rehaklinik, in anderen befinden sich mittlerweile Wohnungen.


Die Chirurgie ist in einem relativ guten Zustand. Natürlich liegen überall Scherben von eingeworfenen Fensterscheiben und Schutt herum, aber man muss keine Bedenken haben, irgendwo einzubrechen. In einigen Räumen findet man noch etwas Inventar, die meisten sind allerdings leer. Hier ist es dann wieder ganz gut, einen Guide dabei zu haben, der einem dann erklären kann, um was für Räume es sich gerade handelt.


Wer sich einmal ein paar bewegte und mit Leben gefüllte Bilder aus den Beelitz-Heistätten anschauen möchte, dem sei A Cure for Wellness empfohlen. In dem Film wird ein junger, ehrgeiziger Manager beauftragt, den CEO seiner Firma aus einem mysteriösen Wellness-Center zurückzuholen, das sich an einem abgelegenen Ort in den Schweizer Alpen befindet.


Schon bald vermutet er, dass die wundersamen Anwendungen des Spas nicht das sind, was sie zu sein scheinen. Als er beginnt, die erschreckenden Geheimnisse aufzudecken, wird sein Verstand auf eine harte Probe gestellt: bei ihm wird die gleiche seltsame Krankheit diagnostiziert, die alle anderen nach Heilung verlangenden Gäste dort festhält.


Die Historie

Die Geschichte der Beelitz Heilstätten ist wirklich sehr interessant. 1898 hatte sich die Landesversicherungsanstalt Berlin in der Stadt Beelitz für den Bau einer Lungenheilanstalt ein 140 Hektar großes Waldgelände gekauft. Da man es zu jener Zeit für sinnvoll hielt die Behandlung von Lungentuberkulose an Orten mit sauberer und frischer Luft durchzuführen, wurde Beelitz für den Bau des Komplexes gewählt.


Es wurde, bis zur erstmaligen Belegung 1902, je eine Lungenheilstätte für Männer und eine für Frauen, zwei getrenntgeschlechtliche Sanatorien, sowie weitere Versorgungsgebäude für den Klinikbetrieb errichtet. In der Zeit von 1902 bis 1926 waren in den Beelitz-Heilstätten bereits 66.445 Männer, 43.953 Frauen und 6.559 Kinder behandelt worden.


Ab 1914 wurde das Klinikgelände im 1. Weltkrieg zum Vereinslazarett des Roten Kreuzes umfunktioniert, wo zahlreiche Soldaten behandelt wurden, wozu z.B. auch der damals unbekannte Gefreite Adolf Hitler zählte. 1920 wurde das Gelände dann wieder als Lungenheilstätte genutzt, wobei aufgrund von Kapazitätsengpässen erstmal nur noch Frauen aufgenommen wurden. Nach ein paar Jahren hatte man aber auch wieder Männer aufgenommen und man erweiterte das Gelände noch um eine chirurgische Klinik.


In den Jahren 1942–1944 wurde nach Plänen des Architekten Egon Eiermann südlich des Frauen-Sanatoriums ein Ausweichkrankenhaus für Potsdam errichtet, welches jedoch in dieser Funktion niemals genutzt wurde. Das Krankenhaus wurde seit 1953 bis 1998 als Fachklinik für Lungenkrankheiten und Tuberkulose zivil genutzt. Seit 2014 ist hier ein Standort der Kliniken Beelitz GmbH, die dort das Neurologische Fachkrankenhaus für Bewegungsstörungen und Parkinson betreibt. Daneben gibt es dort auch noch ein Pflegeheim und eine Akademie für Pflegeberufe.


Während der Schlacht um Berlin 1945 wurden die etwa 3.000 Verwundeten und das Personal der Beelitzer Heilstätten durch Soldaten der 12. Armee der Wehrmacht in weiter westlich liegende Regionen evakuiert. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, in dem die Heilstätten teils sehr schwer beschädigt wurden, wurde das Gelände 1945 von der Roten Armee übernommen. Die Heilstätten dienten bis 1994 als das größte Militärhospital der sowjetischen Armee. Beelitz war ab Dezember 1990 der Aufenthaltsort des an Leberkrebs erkrankten Erich Honecker, bevor er und seine Frau Margot am 13. März 1991 nach Moskau ausgeflogen wurden.


Einige Gebäude wurden inzwischen komplett saniert und durch weitere neue Gebäudeteile ergänzt. Es wurde eine neurologische Rehabilitationsklinik, ein Parkinson-Fachkrankenhaus, sowie eine Rehabilitationsklinik für Kinder eingerichtet. Ein Teil in Bahnhofsnähe wurde mit Einfamilienhäusern bebaut. Wie auch schon in den früheren Jahren, verändert sich dieser Ort immer noch ständig.


Kurze Fakten

Legaler Lost Place

Kategorie:  


Krankenhäuser & Kliniken

Baujahr:  


1898

Verlassen seit:  


2001

Schwierigkeitsgrad:  


Kinderspiel

Gesamtfläche:  


140000


Adresse

Land:  


Deutschland

Bundesland:  


Brandenburg


Kommentare

 (0)

    Entdecke weitere Lost Places