Kamerakram
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Schraubenfabrik Funcke & Hueck

Wir fahren mit dem Auto quer durch Hagen, machen einen riesigen Bogen um unser eigentliches Ziel, da der direkte Weg durch eine neue Umgehungsstraße versperrt ist. Über einen Berg auf der anderen Seite erreichen wir es dann doch irgendwann. Was wir hier vorfinden, hätten wir nicht erwartet. Überall stehen Menschen herum und gerade als ich meinen Wagen auf dem Parkplatz gegenüber abstelle, läuft eine Gruppe von Menschen aus dem Gebäude heraus. Alleine sind wir hier auf jeden Fall nicht. Wir setzten unsere Rucksäcke auf, bereiten unsere Kameras vor und laufen in Richtung einer kleinen Stahltür, die kein unbekannter Eingang zu sein scheint. Selbst in dieser Zeit kommen nochmals mehrere Menschen aus der alten Schraubenfabrik heraus.


Wir betreten den Lost Place und stellen fest, dass hier drin noch viel mehr Menschen sind, als wir von außen vermutet haben. Rechts von uns steht eine Familie mit zwei kleinen Kindern und links von uns steigen zwei Senioren die Treppe herauf. So etwas habe ich noch nie erlebt. Neben der Schraubenfabrik Funcke & Hueck hat gerade eine neue Umgehungsstraße eröffnet und vielleicht ist genau die der Grund dafür, dass hier so viel los ist. Fotos und Videos aufzunehmen ist nicht gerade einfach, wenn einem ständig jemand ins Bild läuft.


Weiter geht es durch die riesigen Produktionshallen. Das Licht ist toll – Die Oberlichter, die weitestgehend sogar noch nicht zerbrochen sind, werfen tolle Schatten in die großen, leeren Hallen. Durch etwas, das mal eine Tür darstellen sollte, gelangt man wieder nach draußen. Wir stehen auf einer Art Terrasse, unter uns fließt ein Fluss. Eigentlich ist es super schön hier. Nur die Menschen stören. Egal, wo wir hinlaufen – Überall sind kleinere Gruppen.


Durch ein Treppenhaus gelangen wir in die oberen Etagen. Diese sind genau so aufgebaut, wie das Erdgeschoss. Allerdings muss man hier darauf achten, dass man nicht einfach wieder nach unten fällt, denn hier und da sind Schächte in sonst sehr soliden Betonboden eingelassen. Wir sehen ein paar kleine Kinder, die hier ganz unbekümmert herumlaufen. Das sorgt dann direkt für ein sehr ungutes Gefühl. Hier sollte man vermutlich besser keine Kinder spielen lassen. Durch die Löcher im Boden geht es an einigen Stellen mehr als 10 Meter nach unten.


In einem Teil des roten Backsteingebäudes entdecken wir einen Bereich, der wohl noch vor kurzem eine Wohnung gewesen sein muss. Die Wände sind tapeziert und das Wohnzimmer noch gut zu erkennen. Es muss seltsam sein, alleine in einem so großen alten Gebäude zu wohnen. Nun möchten wir uns noch die Keller anschauen. Mit Taschenlampen in der Hand geht es eine kleine Treppe nach unten. Hier ist es stockdunkel und wir stellen schnell fest, dass wir hier nicht weiterkommen. Nach einigen Stufen wartet Wasser auf uns. Der Keller scheint komplett vollgelaufen zu sein. Durch den Schein der Taschenlampen kann man im Wasser irgendwelche Gegenstände erahnen. Hier hätte man bestimmt noch ein paar Entdeckungen machen können.


Die Historie

Die Schraubenfabrik Funcke & Hueck wurde 1844 in der westfälischen Industriestadt Hagen errichtet und produzierte bis in die 1990er Jahre. In den Hochzeiten der Firma, um 1913, arbeiteten hier bis zu 1500 Beschäftigte.


Die Anlagen der Schraubenfabrik wurden am Zusammenfluss der Flüsse Ennepe und Volme gebaut. In den 150 Jahren des Bestehens wurden die nach und nach entstandenen Werksteile durch ein System aus Aufzügen, Treppen und Überführungen miteinander verbunden.


1844 wurde hier die erste Dampfmaschine Hagens aufgebaut. Nach und nach kamen im Laufe der Zeit immer weitere Produktionsstraßen dazu. Der Betrieb wurde 1970 vom Neusser Schraubenhersteller Bauer & Schaurte übernommen und in den 1990er Jahren dann endgültig stillgelegt. Im Jahr 2001 wurden der Großteil des ehemaligen Fabrikgeländes abgerissen. Nur die Teile, die heute unter Denkmalschutz stehen, blieben uns erhalten.


Kurze Fakten

Kategorie:  


Industrie

Baujahr:  


1844

Verlassen seit:  


1990

Zustand:  


Entkernt

Überwachung:  


Unbekannt

Vandalismus:  


Mäßiger Vandalismus

Schwierigkeitsgrad:  


Mittelmäßig

Weitere Informationen zu diesem Ort:

aschke-seminare.de/die-alte-schraubenfabrik/



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