Geisterbahnhof Siemensstadt
Irgendwo zwischen Scherben, Schutt und Spritzen finden sich der Geisterbahnhof von Siemensstadt. Ein einst stark frequentierter Ort beginnt zu verfallen.
Lesezeit
- Baujahr
- 1929
- Verlassen seit
- 198046 Jahre leer
- Region
- Berlin
Kapitel 01 · Die Geschichte
Die Siemensbahn entstand auf Initiative des Siemens-Konzerns, der 1925 eine Schnellbahn durch die Siemensstadt beschloss. Die Planung lag bei Hans Hertlein und Richard Brademann. Am 18. Dezember 1929 ging die 4,5 Kilometer lange Strecke mit drei Bahnhöfen in Betrieb: Gartenfeld, Siemensstadt und Wernerwerk. Der Bahnhof Siemensstadt liegt auf einem markanten Stahlviadukt. Im Fünf-Minuten-Takt pendelten rund 17.000 Fahrgäste täglich zur Arbeit.
Nach dem Mauerbau 1961 boykottierten West-Berliner die von der DDR-Reichsbahn betriebene S-Bahn, die Fahrgastzahlen brachen ein. Am 18. September 1980 legte die Reichsbahn die Siemensbahn still. Seit 1995 steht ein Teil der Strecke unter Denkmalschutz.
Seit 2018 treiben Siemens und der Berliner Senat die Reaktivierung voran. Die Bauarbeiten sollen 2026 beginnen, die Wiederinbetriebnahme ist für 2029 geplant, zum 100. Jubiläum.
Kapitel 02 · Der Besuch
Man fährt mit seinem Auto unter einer unscheinbaren rostigen Zugbrücke her und nimmt den Bahnhof vermutlich gar nicht wahr, wenn man nicht gezielt nach ihm sucht. Vor dem ehemaligen Eingang steht ein umgerissener Bauzaun, die Türen und Fenster sind mit Brettern provisorisch zugenagelt.
Der Bau des Bahnhofs wurde 1927 begonnen und nach zwei Jahren fertiggestellt. Am 18. Dezember 1929 wurde der Verkehr aufgenommen. Ab diesem Zeitpunkt fuhren dort elektrische Züge, denn auch im Rest von Berlin hatte man mit dem elektrischen Bahnverkehr begonnen. Ein Großteil der Fahrgäste bestand aus Werksarbeitern von Siemens, die noch heute dort ansässig sind.
Zur Zeit des zweiten Weltkriegs wurde die Strecke beschädigt. Zu dieser Zeit reparierten die Siemenswerke unter anderem kaputte S-Bahn Waggons. 1980 wurde der Verkehr komplett eingestellt. Die Siemensstadt wurde daraufhin an die U-Bahnlinie U7 angebunden. Seit August 1995 steht dieser Streckenabschnitt unter Denkmalschutz und wird nun Stück für Stück von der Natur zurückerobert.
Um auf den Geisterbahnhof von Siemensstadt zu gelangen muss man über ein paar eingedrückte Zäune steigen. Viel einfacher könnte es also nicht sein. Hinter den Absperrungen wartet eine Böschung mit Schutt und Ästen darauf erklommen zu werden. Hier ist etwas Vorsicht geboten, denn es liegen überall benutze Spritzen herum. Ich hätte beim Klettern beinahe in eine, in einer Dachrinne liegende Spritze gefasst. Zieh dir am besten festes Schuhwerk an und pass etwas auf, woran du dich festhältst.
Oben angekommen, steht man auf den Gleisen, die nach einigen Metern in einem kleinen Wäldchen mitten auf der Brücke enden. Der Bahnsteig an sich ist stark heruntergekommen. Das einzige, was man noch dort gelassen hat, sind ein paar Schaltkästen, Kabel und jede Menge Schutt. Die Treppen, die zum Ausgang führten wurden zugemauert. In den Häuschen, in denen früher die freundlichen Ansager saßen, werden heute maximal noch fragwürdige Drogenparties gefeiert.
Wenn man mal in der Gegend ist, kann man sich den Bahnhof ruhig einmal anschauen. Viel Zeit muss man dafür wohl aber nicht einplanen. Wie man auf den Bildern sehen kann, sieht man nicht viel.
Kapitel 03 · Die Galerie
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