Kaserne Vogelsang
60 Kilometer nördlich von Berlin befindet sich einer der größten Lost Places in Brandenburg, Die verlassene Kaserne Vogelsang. Hier liegt eine komplette Stadt versteckt zwischen Bäumen und Sträuchern.
Lesezeit
- Baujahr
- 1952
- Verlassen seit
- 199432 Jahre leer
- Region
- Brandenburg
Kapitel 01 · Die Geschichte
Der kleine Ortsteil Vogelsang liegt im nordöstlichen Teil des Stadtgebietes von Zehdenick in der Schorfheide. Im nördlichen Teil des Ortes entstand in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg ein großer Standort der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland. Das komplette Bauvorhaben wurde dabei von der Regierung der DDR bezahlt.
An diesem Standort waren Truppenteile der 20. Gardearmee und unter anderem das 162. Panzerregiment, sowie eine taktische Raketenabteilung stationiert. Neben diesen gab es zahlreiche andere Abteilungen auf dem Areal. In der Kaserne Vogelsang lebten zeitweise mehr als 11.500 russische Soldaten und Zivilisten. Neben Wünsdorf, war hier innerhalb kurzer Zeit die größte russische Liegenschaft errichtet worden. Es gab hier alles, was man in fast jeder größeren Stadt anfinden kann. So fanden sich auf dem Gelände verteilt zum Beispiel ein Kasino, ein Kino, ein Konzertsaal und eine große Sporthalle.
Im Jahr 1947 begann der kalte Krieg zwischen den Westmächten und dem Ostblock unter der Führung der Sowjetunion. Der Konflikt nahm mehrfach äußerst bedrohliche Züge an, so dass auf dem Gelände der Kaserne Vogelsang zwischen 1959 und 1960 Nuklearraketen vom Typ R-5 stationiert wurden, die unter anderem auf Frankreich und Großbritannien gerichtet waren. Zum Glück kamen diese niemals zum Einsatz und der kalte Krieg 1989 zum erliegen.
Im Jahr 1994 wurden die russischen Truppen abgezogen und seitdem liegt das riesige Gelände brach. Die Natur begann sich Stück für Stück das Areal zurückzuerobern. Irgendwann wurde damit begonnen, die alten Gebäude der Kaserne abzureißen und das Gelände zu renaturieren. Noch heute befinden sich viele Munitionsreste im Boden und machen das Betreten damit lebensgefährlich.
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Kapitel 02 · Der Besuch
Wir parken unser Auto in einer kleinen Nebenstraße, nicht weit entfernt vom Bahnhof Vogelsang. Es scheint ein sehr beschaulicher Ort zu sein. Hier hört man nichts außer entferntes Hundegebell und ein paar Vögel. Die Sonne brennt und unser Weg führt uns auf einen Trampelpfad direkt in den Wald hinein. Der Schatten tut gut. In der Sonne sind es gerade weit über 30°. Wir schlagen uns immer tiefer in den Wald hinein. Wer hier noch Empfang hat, hat Glück, oder einfach ein sehr gutes Netz. Ab und zu konnten wir in der oberen rechten Ecke unserer Smartphones noch das kleine E entdecken, so dass wir uns mit Hilfe einer digitalen Karte wenigstens etwas orientieren konnten.
Nach einigen hundert Metern kommen wir an eine alte Schranke mit einem Hinweis auf ein ehemaliges Militärgebiet. Wir laufen weitere vier Kilometer in den Wald hinein, bis wir dann endlich auf die ersten Gebäude und Mauern stoßen. Viele davon so stark verfallen, dass man sie im dichten Unterholz kaum noch wahrnehmen kann.
Mit ausreichend viel Autan an den Beinen, um uns gegen die Brandenburger Zecken zu schützen, streifen wir durch kniehohes Gras, Brennnesseln und klettern über umgestürzte Bäume. Zwischendurch finden sich immer wieder Beton-Panzerplatten, die mal eine Straße bildeten. Sie führen uns bis zu einem Tor, wo wir früher nicht einfach so hätten eintreten dürfen.
Direkt daneben ein verlassener Hundezwinger. Ob hier heute auch noch heute Security unterwegs ist, wissen wir nicht. Wir treffen auf unserer Tour nur ein paar andere Fotografen und Radfahrer, die wissen wollen, mit welcher Art Energiequelle meine Drohne betrieben wird. Es klingt fast so, als hätten sie auch schon Drohnen gesehen, die mit Diesel oder Benzin betrieben werden.
Heute steht das Tor sperrangelweit auf und wir betreten die alte Kaserne Vogelsang. Früher waren hier unter anderem 300 Kampf- und 200 Schützenpanzern der 25. Panzerdivision stationiert. Der Gedanke ist beeindruckend und beängstigend zugleich. Langsam werden auch größere Gebäude sichtbar. Die Fenster sind eingeschlagen, die Türen liegen vor den Eingängen. Es riecht genau, wie an allen anderen verlassenen Orten. Nach Schutt, feuchten Wänden und modrigem Holz.
Wir streifen mehrere Stunden lang über das Gelände und entdecken neben den zahlreichen Gebäuden, wie einem Kino- und einem Konzertsaal, eine Sporthalle mit aufgerissenem Boden, auch große Schutthaufen. Das Land Brandenburg hat hier bereits mit dem Rückbau des Geländes begonnen. Einige Gebäude sind nun nicht mehr als ein großes Haufen Betonschutt. In ein paar Monaten wird von der ehemaligen Garnison Vogelsang nichts mehr übrig sein. Die Natur hat hier sowieso schon damit begonnen, sich das Gebiet zurückzuerobern.
Kapitel 03 · Der Rundgang im Video
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Es gibt mehr zu sehen.
In „Verlassene Orte in Brandenburg" erzähle ich die ganze Geschichte dieses Ortes. Mit Bildern, die es nur gedruckt gibt.

