Kamerakram
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Kristall-Palast Magdeburg

Der Kristall-Palast in Magdeburg ist ein faszinierender Lost Place, den ich vor ein paar Wochen zusammen mit einem Kamerateam für einen ZDF-Beitrag besuchen durfte. Vor Ort angekommen treffe ich mich mit dem Kamerateam, bestehend aus einem Redakteur, einem Tontechniker und einem Kameramann und auch die Eigentümer sind bereits dort. Wir kommen ins Gespräch und sie erzählen uns viele interessante Dinge über den alten Kristall-Palast und dann geht es los.


Dieses Mal läuft nicht nur meine Kamera, sondern auch die meiner Begleitung. Ich beginne damit, das Gebäude erst von außen und dann auch innen zu erkunden. Immer wieder bleiben wir stehen und ich beantworte Interviewfragen und obwohl ich es überhaupt nicht mag, selbst vor der Kamera zu stehen, beginnt es Spaß zu machen, was nicht zuletzt auch an diesem wirklich imposanten Bauwerk liegt. Ich war lange nicht mehr in einem so stark zerstörten Lost Place. Trotz des weit vorangeschrittenen Verfalls, oder gerade deswegen, finden sich überall interessante Fotomotive und so werde ich am Ende mit über 1.000 Aufnahmen nach Hause fahren.


Man muss überall aufpassen, wo man hintritt. Der Boden hat Löcher, gibt an einigen Stellen nach, oder sollte am besten gar nicht mehr betreten werden. Die Treppenstufen der Auf- und Abgänge sind morsch, durchgefault und teilweise so schief, dass man nur noch mit größter Vorsicht hinauf- und hinabsteigen kann. Obwohl große Teile schon stark verfallen sind, finden sich doch immer wieder auch noch sehr gut erhaltene Bereiche. So gibt es eine Bar, mit Tresen und Barhockern, die man einfach nur einmal aufpolieren müsste, um sie wieder nutzen zu können. Die großzügig gestalteten Toilettenräume sind auch nur von einer dicken Staubschicht bedeckt. Hier ergeben sich tolle Kontraste.


Die Historie

Im Sommer 1889 wurde mitten in Magdeburg mit dem Bau des Kristall-Palast begonnen und drei Jahre später konnte er am 09. Juni 1892 feierlich eröffnet werden. Schnell wurde der Kristall-Palast zu Magdeburgs bekanntestestem Konzert- und Varietéhaus, das sich 1928 noch Haus der Vornehmen Gesellschaft nannte. Schon bald fanden daraufhin Sanierungsarbeiten statt und neben Konzerten, Bällen & Varietéveranstaltung fanden hier dann nach 1933 auch KdF-Veranstaltungen statt.


Er war Magdeburgs bekanntestes Konzert- und Varietéhaus. In der Leipziger Straße wurde im Sommer 1889 mit dem Bau begonnen. Am 9. Juni 1892, an einem Pfingstsamstag, wurde der Kristall-Palast eröffnet.1928 hieß das Haus offiziell "Haus der Vornehmen Gesellschaft". Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten kaufte Familie Jordan das Haus. Neben Konzerten, Bällen & Varietéveranstaltung fanden hier nach 1933 verstärkt KdF-Veranstaltungen statt. Die nationalsozialistische Gemeinschaft Kraft durch Freude (KdF) wurde am 27. November 1933 als Unterorganisation der Deutschen Arbeitsfront gegründet, um den Totalitätsanspruch des NS-Regimes mit der „Bildung einer wirklichen Volks- und Leistungsgemeinschaft aller Deutschen“ zu erfüllen.


Ab 1940 wurden die Räumlichkeiten durch das Heeresbeschaffungsamt beschlagnahmt und dann überwiegend als Lagerraum für Getreide genutzt. Ab Ende der 1940er Jahre wurde der Kristall-Palast zum Internierungslager für Fremdarbeiter und Kriegsgefangene umfunktioniert. Bis zu 1400 Menschen mussten hier unter unwürdigen Bedingungen dort leben. Diese Umnutzung ging auch an dem Gebäude nicht spurlos vorbei. Große Teile des Saals wurden beschädigt und Luftangriffe zerstörten das Dach des Kristall-Palasts.


Magdeburg war durch den Krieg zu großen Teilen zerstört worden, aber die Schäden am Kristall-Palast hielten sich in Grenzen. Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs, wurde am 12. November 1948 beschlossen, den Kristall-Palast wieder aufzubauen und nach einer Bauzeit von 8 Monaten konnte der Kristall-Palast wieder eröffnet werden. Ab dem 27. November 1949 traten hier dann zum Beispiel Eberhard Cohrs und Billy Karaltini auf.


Leider gingen dann ab 1960 die Besucherzahlen immer weiter zurück, so dass auch die Anzahl der Veranstaltungen zurückgeschraubt wurde. Das Gebäude verlor damit immer mehr an Attraktivität. Ab 1969 standen dann regelmäßig Tanz- und Verkaufsveranstaltungen auf dem Programm.


Im Jahr 1977 wurde das Gebäude zur ständigen Spielstätte des Kabaretts Die Kugelblitze umgerüstet. Zur Zeit der DDR wurde das Gebäude immer mehr vernachlässigt, was dann dazu führte, dass der Kristall-Palast 1986 baupolizeilich gesperrt werden musste und das sollte dann auch das Ende dieses Gebäudes bedeuten, denn seitdem gab es hier keine Nachnutzung mehr und das Gebäude ist dem Verfall preisgegeben. Vor ein paar Jahren ist die komplette Deckenkonstruktion eingestürzt, was nun dafür sorgt, dass das Regenwasser problemlos überall eindringen kann.


Saal
Konzerte
Ballsaal
DDR

Kurze Fakten

Kategorie:  


Kultur

Baujahr:  


1889

Verlassen seit:  


1986

Zustand:  


Einsturzgefährdet

Überwachung:  


Unbekannt

Vandalismus:  


Extremer Vandalismus

Schwierigkeitsgrad:  


Mittelmäßig



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