
Gießerei Basse & Selve
Wo damals fast 100 Jahre lang Münzen und andere Metallteile gefertigt wurden, ist heute nur noch eine riesige Ruine am Ufer der Lenne zu finden. Es riecht nach modrigen Wänden, Öl und verbranntem Holz.
Lesezeit
- Baujahr
- 1868
- Verlassen seit
- 198046 Jahre leer
- Region
- NRW
- Zustand
- Einsturzgefährdet
- Risiko
- Hoch
- Besucht am
- 01.2020Januar 2020
Kapitel 01 · Die Geschichte
Gustav Selve trat 1861 in das Unternehmen seines Vaters. In Werdohl-Bärenstein wurden zunächst Messingdrähte und Messingknopfblech hergestellt. 1868 erwarb das Unternehmen das bereits bestehende Eisenwerk am Schwarzenstein. Gustav Selve wurde im Jahr 1883 zum Alleininhaber der Gießerei Basse & Selve und verlegte 1869 den Firmensitz von Lüdenscheid nach Altena. Die Firma stellte Aluminiumguss her, der für Auto-, Motorboot- und Luftschiffteile verwendet wurde. Durch die Produktion von Neusilber-Blech für Patronenhülsen, Nickel für Münzplättchen und Messing für Beschläge beschäftigte das Unternehmen Basse & Selve zeitweise bis zu 3.500 Mitarbeiter. 2.000 von ihnen arbeiteten alleine in Altena.
1977 wurden die beiden Zweigniederlassungen Altena und Werdohl zum VDM-Geschäftsbereich Kupfer und Nickel zusammengeschlossen. Neben der am Schwarzenstein ansässigen Verwaltung musste auch die Gießerei nach Werdohl umziehen. Am Schwarzenstein blieb lediglich ein sogenanntes Plattierwalzwerk. 1980 wurde das Werk Schwarzenstein endgültig geschlossen.
Kapitel 02 · Der Besuch
Der Vorplatz des Geländes der ehemaligen Gießerei Basse & Selve lässt bereits erahnen, dass es hier neulich erst gebrannt hat. Ein schwerer Geruch von verbranntem Holz und irgendwelchen Ölen liegt in der Luft. Wie bei so vielen verlassenen Orten wird auch dieser als private Müllhalde zweckentfremdet. Ich laufe durch die Eingangstore beziehungsweise durch das, was davon noch übrig ist. Hier sind zwei Autowracks abgestellt. Zwischen Gräsern, Müll und leeren Spraydosen rosten sie vor sich hin.
Ein paar Schritte weiter sehe ich verbrannte Balken und allerhand Kabelage. Vermutlich hat die Feuerwehr beim Löschen des Brandes die einzelnen Materialien herausgerissen, um eventuelle Schwelbrände löschen zu können. Hier ist auch der Geruch deutlich stärker, als noch in dem Raum davor. Über mir ist ein riesigen Metallgerippe. Hier war einst das Dach der Produktionshalle. Davon ist heute aber gar nichts mehr übrig. Ob es durch Feuer, oder die Witterung zerstört wurde, weiß ich nicht, aber nun kann man vom Inneren direkt in die dichte Wolkendecke schauen.
Aus der oberen Etage tropft Regenwasser herunter. Selbst wenn die Decke einen stabileren Eindruck machen würde, würde ich der sehr maroden Treppe nicht mehr trauen. Der Anblick ist hier überall derselbe. Ales ist kaputt, verrostet, oder verbrannt. Es ist wie immer sehr schade zu sehen, wie mit solchen Lost Places umgegangen wird. Ich würde mir wünschen, man würde respektvoller damit umgehen. Getreu dem Motto: Nimm nichts mit, außer deinen Bildern. Hinterlasse nichts, außer deinen Fußspuren.
Kapitel 03 · Der Rundgang im Video
▸ Der komplette Rundgang auf YouTube (lädt erst nach Klick, DSGVO-freundlich)
Mehr Videos aus Nordrhein-Westfalen →Kapitel 04 · Die Galerie
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